Dämmung

Die Dämmung und ihre Mythen

Was steckt hinter den Dämmungs-Mythen? Eine Legende über die Dämmung und Ihre Ökobilanz.

Der Begriff „Legen­de“ beschreibt eine Geschich­te, die seit Urzei­ten erzählt wird und die durch jede wei­te­re Über­liefer­ung an Fan­ta­sie gewinnt. So ist es wohl auch mit dem The­ma „Däm­mung“ pas­siert. Immer mehr Mythen und War­nun­gen, die sich gegen die Effi­zi­enz der Däm­mung aus­spre­chen, ver­fes­ti­gen sich. Wir möch­ten hier mit einer klei­nen Aus­wahl der schöns­ten Märchen­geschichten ein wenig mehr Licht ins Däm­mungs-Dun­kel brin­gen.

Die Dämmung und der unsägliche Schimmel

Ganz genau, in jedem guten Mär­chen darf der treue Schim­mel, der den Prin­zen zu sei­ner Prin­zes­sin bringt, nicht feh­len. In unse­rem Fall spielt der Schim­mel aber aus­nahms­wei­se mal die böse Hexe. Ein Däm­mungs-Mythos besagt näm­lich, dass Außen­wand­dämmung den Feuch­te- und Luft­aus­tausch an die Umwelt ver­hin­de­re und so zur Bil­dung von Schimmel­pilzen füh­re. Das Gegen­teil ist aber der Fall: Außen­wand­dämmung kann sogar die Lösung gegen Schimmel­bildung sein. Schim­mel wächst näm­lich auf feuch­tem Unter­grund und eben die­se Feuchtig­keit ent­steht an kal­ten Stel­len der Wand. Da durch eine gute Däm­mung mög­lichst wenig Wär­me von innen nach außen ent­weicht (Wär­me­schutz), för­dert sie war­me Wän­de und gibt den Pil­zen kei­ne Chan­ce zu wach­sen. Mehr dazu bei werk­buch-online.

Und die Moral von der Geschicht: Schim­mel ent­steht pri­mär durch ein fal­sches Lüf­tungs­ver­hal­ten. Außen­wand­däm­mung kann Schim­mel­bil­dung sogar ver­hin­dern.

Die Dämmung und der tückische Algenbefall

Jeder kennt das Mär­chen von Hans und sei­ner Bohnen­ranke, die bis in den Him­mel wuchert. In unse­rem Mär­chen wuchern kei­ne Bohnen­pflanzen, son­dern Algen an Haus­wänden. Gene­rell kann man sagen, dass feuch­te Außen­wände stär­ker von Algen­wachstum befal­len sind, als tro­cke­ne. Dem­nach kön­nen also sowohl gedämm­te, als auch unge­dämmte Wän­de betrof­fen sein. Eine gute Däm­mung ver­hin­dert aller­dings das Aus­treten der Wär­me nach außen. Dem­nach sind gedämm­te Wän­de nach außen hin oft käl­ter und feuch­ter. So kön­nen Algen hier bes­ser wach­sen. Beson­ders betrof­fen sind Haus­wände, die nach Nor­den aus­ge­rich­tet sind oder auch Häu­ser, die in der Nähe eines Gewäs­sers gebaut wur­den. Um dem Algen­befall vor­zu­beugen ist des­halb ein genü­gend weit über­stehendes Dach von Vor­teil, damit die Wand vor Regen und Näs­se ge­schützt ist. Dar­über hin­aus kann man mög­lichst was­ser­ab­wei­sen­de Fas­sa­den­far­be nut­zen, damit die Wand den Mikro­or­ga­nis­men nicht als Feuch­te­spen­der dient. Auch soll­te man auf eine star­ke Be­pflanzung direkt an der Außen­fassade ver­zich­ten. Im Hinter­kopf soll­te man dabei immer behal­ten, dass Algen nicht gesund­heits­schädlich sind. Sie sind ledig­lich ein opti­sches Pro­blem für den Haus­eigentümer. Trotz­dem wird deut­lich: Vie­le Mär­chen beinhal­ten doch ein Fünk­chen Wahr­heit.

Und die Moral von der Geschicht: Eine feuch­te Außen­wand för­dert das Wachs­tum von Algen.

Die Dämmung und der achtsame Brandschutz

Was ein hervor­ragendes Mär­chen wirk­lich aus­macht, ist ein authen­tischer feuer­speiender Dra­che. In unse­rer Geschich­te heißt die­ser „Sty­ro­por“, oder genau­er „Poly­sty­rol“. Immer wie­der wird vor der leich­ten Ent­flamm­bar­keit von Dämm­stoffen gewarnt. Beson­de­rer Kri­tik unter­liegt der Brenn­stoff Schaum­stoff-Poly­sty­rol, bes­ser bekannt als Sty­ro­por. Natür­lich kann die­ser Stoff selbst schnell Feu­er fan­gen. Bei einer fach­gerecht ausge­führten Däm­mung sor­gen aber eine effi­zi­en­te Putz­schicht und eine aus­rei­chen­de Anzahl an Bran­d­rie­geln dafür, dass kei­ne erhöh­te Brand­gefahr besteht. Dar­über hin­aus gel­ten in Deutsch­land strick­te Brand­schutz­bestimmungen, die nur Mate­ria­li­en und eine ent­spre­chen­de Ein­arbeitung die­ser erlau­ben, die eben nicht leicht ent­flammbar sind. Ob nun Außenwand‑, Kellerdecken‑, oder Dach­däm­mung. Eine rich­ti­ge Durch­führung schützt sogar vor Brän­den.

Und die Moral von der Geschicht: Deut­sche Brand­schutz­stan­dards sor­gen für robus­te und feu­er­re­sis­ten­te Däm­mun­gen!

Die Dämmung und der überflüssige Sondermüll

Und der Wolf sag­te: „Ich wer­den stram­peln und tram­peln, ich wer­de hus­ten und prus­ten und dir das Haus zusammen­pusten.“ Er hol­te tief Luft, pus­te­te das Haus weg und was übrig blieb, war jede Men­ge Son­der­müll aus den vor­her­ge­gan­ge­nen Dämm­maß­nah­men. Ja, die Ent­sorgung von Dämm­stoffen ist nicht ganz ein­fach. Vor allem wird sie durch hohe Trans­port­kosten und ein schwie­ri­ges Recy­cling zu einem wenig nach­haltigen Unter­fangen. Auch ist die Tren­nung von Dämm­stoff, Kleb­stoff und Putz eine sehr un­dank­bare Auf­ga­be, die aber essen­ti­ell für das Recy­celn ist. Trennt man die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten, ist aber eine viel­seitige Wieder­verwertung im Haus- oder Stra­ßen­bau mög­lich. Gene­rell ist zu beto­nen, dass Kon­struk­tio­nen mit mecha­ni­schen Ver­bin­dun­gen zu bevor­zu­gen sind, bei denen mög­lichst wenig Kleb­stoff ver­wen­det wur­de. So wird der Rück­bau um ein Viel­faches erleich­tert. Außer­dem kann bei einer Ver­feue­rung der Stof­fe in ent­spre­chen­den Ver­brennungs­anlagen unge­fähr die Hälf­te der ein­ge­setz­ten Ener­gie wie­der frei­ge­setzt wer­den.

Und die Moral von der Geschicht: Über­res­te einer Däm­mung kön­nen auch wie­der­ver­wer­tet wer­den.

Die Dämmung und der ehrenwerte Abschied

Die drei Schwein­chen aus unse­rem letz­ten Mär­chen konn­ten sich in letz­ter Sekun­de vor dem Wolf in das stei­nern­de Haus des flei­ßigs­ten Schwein­chens ret­ten. Glücklicher­weise war die­ses auch so gewitzt, dass es von Anfang an rich­tig gedämmt hat­te, denn so leb­ten Sie glück­lich und zufrie­den, ganz ohne Nach­däm­mung. Das Däm­mung schnell kaputt geht ist näm­lich defi­ni­tiv ein Mythos! Da die ent­hal­te­nen Wärme­verbunds­systeme nor­ma­ler­wei­se so geschützt sind, dass sie nicht von Abnut­zung oder mecha­ni­scher Ein­wir­kung betrof­fen sind, blei­ben sie einem lan­ge treu. Das Fraun­ho­fer Insti­tut für Bau­phy­sik hat ermit­telt, dass die Däm­mung bei einer ordent­li­chen War­tung eine Lebens­dau­er von 40 bis 50 Jah­ren mit­bringt. Das A und O ist hier­bei eine pro­fes­sio­nell ver­put­ze und ver­bau­te Däm­mung. Undich­te Stel­len und Löcher kön­nen näm­lich zu Feuchtig­keit und somit zu Schä­den füh­ren. Ein guter und glat­ter Außen­putz ist dabei beson­ders wich­tig. So ist der Dämm­stoff nicht nur vor unbe­ständiger Wit­te­rung, son­dern auch vor einer beson­ders tücki­schen Tier­welt (Spech­te sind wohl der größ­te Feind der Däm­mung) geschützt.

Und die Moral von der Geschicht: Eine gut ver­putz­te Däm­mung hat eine hohe Lebens­er­war­tung.

Die Dämmung und die wagemutige Ökobilanz

Wenn alle glück­lich und zufrie­den bis ans Ende ihrer Zeit leben wol­len, dann führt an der Nach­hal­tig­keit kein Weg vor­bei. Aber wie nach­hal­tig und öko­lo­gisch ist so eine Däm­mung eigent­lich? Immer mehr kri­ti­sche Stim­men wer­den laut, dass die Her­stel­lung und Ver­arbeitung der Stof­fe mehr Ener­gie ver­braucht, als letzt­endlich durch die Däm­mung ein­ge­spart wird. Damit wür­de eine Däm­mung aus öko­lo­gi­scher Sicht wenig Sinn erge­ben. Das ist aber nicht so ein­fach zu pau­scha­li­sie­ren. Im Grun­de kommt es hier­bei näm­lich auf die ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en an. Bei der Pro­duk­ti­on von Schaum­kunst­stoffen bedarf es bspw. einer gro­ßen Men­ge an Erd­öl. Die Pro­duk­ti­on ist dem­nach nicht so nach­hal­tig, da die Öko­bi­lanz von Erd­öl eben­falls stark dis­ku­tiert wird. Die Her­stel­lung von Natur­dämm­stoffen ist aber wesent­lich öko­lo­gi­scher. Hier wer­den weni­ger als 50 kWh/​m³ Herstellungs­energie auf­ge­wen­dent. Die Erspar­nis­se durch die Heiz­energie soll­ten so die auf­ge­wen­de­te Produktions­energie bin­nen kur­zer Zeit aus­glei­chen. Die­se ener­ge­ti­sche Amortisations­zeit ist dar­über hin­aus abhän­gig von der Dämm­stoff­dicke, der Beheizungs­art im Gebäu­de und dem ört­li­chen Kli­ma. In der Regel lohnt sich eine Däm­mung mit orga­ni­schen Dämm­stoffen bereits nach meh­re­ren Mona­ten. Auch ener­ge­tisch ungüns­ti­ge­re Stof­fe amor­ti­sie­ren sich zumeist nach weni­ger als fünf Jah­ren. Im Hin­blick auf die oben beschrie­be­ne Lebens­erwartung einer Däm­mung ist auch hier eine posi­ti­ve Öko­bilanz nach­zu­wei­sen.

Und die Moral von der Geschicht: Dämm­maß­nah­men sind aus öko­lo­gi­scher Sicht durch­aus sinn­voll.

Die Dämmung und ihr Happy End

Es wird deut­lich, dass man nicht allen Mythen und Mär­chen über die Däm­mung und ihr Gefahren­potential Glau­ben schen­ken soll­te. Den­noch ist eine aus­führ­li­che Aus­einander­setzung mit die­sem The­ma erfor­der­lich, um eine effi­zi­en­te und nach­hal­ti­ge Däm­mung am eige­nen Gebäu­de durch­zu­füh­ren. Pro­fes­sio­nel­le Maß­nahmen sind dann nicht nur bei Neu­bau­ten, son­dern auch im Bestand durch­aus wirt­schaft­lich umsetz­bar. Sie kön­nen dazu bei­tra­gen, den Energie­verbrauch zu redu­zie­ren, die Behag­lichkeit im Haus zu ver­bes­sern und die Wert­sta­bi­li­tät des Gebäu­des zu stei­gern.

Und um dem Mot­to des Bei­tra­ges treu zu blei­ben, nun das Fazit in Mär­chen­form: Es war ein­mal ein ein­fa­cher Bau­er und eine Bäue­rin, die leb­ten in einem klei­nen stei­ner­nen Haus. Im Win­ter frier­ten sie und ihre Heiz­kos­ten stie­gen ins uner­mess­li­che. Im Som­mer schwitz­ten Sie und die Klima­anlage lief auf Hoch­tou­ren. Eines Som­mers schär­ten sie ihre Scha­fe und dämm­ten mit der Wol­le ihr Haus. „Das schim­melt doch!“ sag­te die Mül­le­rin. „Das brennt euch ab!“ sag­te der Huf­schmied. „Die Wol­le hät­te euch auf dem Markt mehr Duka­ten gebracht als ihr je spart!“ sag­te die Markt­frau. Doch als der Win­ter kam, fro­ren Sie nicht mehr und sie muss­ten nicht hei­zen. Und als der Som­mer kam schwitz­ten sie nicht mehr und sie muss­ten nicht küh­len. Sie spar­ten so viel, dass sie alle Nach­barn zu sich ein­lu­den, und ihnen bei einem Fest­mahl von ihren Ein­sparungen erzähl­ten. Und die Nach­barn staun­ten und mach­ten es ihnen nach.

Und wenn sie nicht gestor­ben sind, dann däm­men sie noch heu­te…

Hin­weis: Falls Sie bei der ener­ge­ti­schen Sanie­rung gleich­zei­tig grö­ße­re Fens­ter oder Türen ein­set­zen möch­ten, muss häu­fig die Sta­tik geprüft wer­den. Glei­ches gilt in der Regel auch, wenn Sie den Dach­stuhl däm­men und dabei zum Wohn­raum umfunk­tio­nie­ren oder eine neue Raum­auf­tei­lung durch einen Wand­durch­bruch erzie­len. Hier fin­den Sie einen Sta­ti­ker …

Scroll to top