Energieausweis erstellen lassen

Der Energieausweis

Wie effizient ist mein Gebäude?

In einem unse­rer frü­he­ren Blog­beiträge infor­mieren wir dar­über, was es beim Kauf eines neu­en Hau­ses zu beach­ten gibt. Hier­bei ver­weisen wir unter ande­rem auf den Energie­ausweis der Immo­bilie und sei­ne Rele­vanz bei der Kauf­ent­scheidung. Nun stellt sich berechtigter­weise die Fra­ge: Was ist denn über­haupt ein Energie­ausweis?

Ja, und das ist nun wirk­lich eine gute Fra­ge, die Sie sich unbe­dingt stel­len soll­ten, wenn es dar­um geht, einen sol­chen Aus­weis zu lesen. Energie­ausweis ist näm­lich nicht gleich Energie­ausweis.

Was ist ein Energieausweis?

Die der­zeit gül­ti­ge Energie­einsparver­ordnung (EnEV) schreibt vor, dass bei der Errich­tung, Ände­rung oder Er­weiterung eines Hau­ses ein Energie­ausweis ausge­stellt wer­den muss. Auch ver­pflich­tet die EnEV dazu, dass ein sol­cher Aus­weis bei Ver­kauf, Ver­mietung, Ver­pachtung oder Lea­sing einer Immo­bilie den Inter­es­sen­ten vorge­legt wer­den muss.

Ja, aber was ist es denn nun genau? Am grif­figs­ten erklärt, ist der Energie­ausweis eine Art Zeug­nis, das den energe­tischen Zustand des Gebäu­des auf Grund­lage meh­re­rer Berei­che bewer­tet und des­sen Ein­teilung in Effizienz­klassen ermög­licht. Ziel ist es, eine Grund­lage zu schaf­fen, auf der der energe­tische Zustand von Immo­bi­li­en ver­gleich­bar wird.

Energie­aus­weise gibt es für Wohn­häuser, Büro­gebäude sowie gewerb­liche Immo­bilien. Oft auch als „Energie­pass“ bezeich­net, bezieht er sich aber immer auf das gesam­te Gebäu­de und nicht auf unter­geordnete Wohn­ein­heiten. Das bedeu­tet bspw. für ein Mehr­familien­haus, dass sich der Energie­ausweis auf das gesam­te Haus, unter Berück­sich­tigung aller Wohn­ein­heiten, bezieht und nicht auf ein­zel­ne Eigen­tums- oder Miet­wohnungen. Der Aus­weis bein­haltet ganz all­gemeine Informa­tionen über das Gebäu­de, er gibt Aus­kunft über die verwen­deten Heiz­stoffe und gibt die Energie­kennwerte an. Neue Aus­weise für Wohn­gebäude ord­nen die Immo­bilie auf einer Energie­effizienz­skala von A+ bis H ein.

Hin­weis: Die Energie­effizienz­skala für eine Immo­bilie soll­te nicht mit der für Elektro­geräte gleich­ge­setzt wer­den. Ein Haus muss nicht unbe­dingt den aller­höchsten An­forderungen ent­sprechen. Eine Ein­ordnung in Klas­se E ent­spricht als Richt­wert unge­fähr dem durch­schnitt­lichen Ver­brauch. Trotz­dem ist es natür­lich schön, wenn das eige­ne Haus effi­zienter ist, als der Durch­schnitt.

Energie­ausweise haben eine Gültig­keit von 10 Jah­ren. Auch nach grö­ße­ren Sanie­run­gen und Moderni­sierungen wie einem Hei­zungs­tausch soll­ten Sie erneu­ert wer­den.

Bedarfs- und Verbrauchsausweis

Wie oben bereits ange­kündigt: Energie­ausweis ist nicht gleich Energie­ausweis. Es gibt zwei ver­schiedene Vari­an­ten: Den verbrauchs­orientierten und den bedarfs­orientierten Energie­ausweis. Der Unter­schied liegt dabei auf der Daten­grund­lage, auf Basis derer die Er­stellung des Aus­weises vorge­nommen wird.

Hin­weis: Der Ener­gie­aus­weis ist nicht zu ver­wech­seln mit einer umfang­rei­chen Ener­gie­be­ra­tung, wie der BAFA-Vor-Ort-Bera­tung.

Der Verbrauchsausweis

Die Kern­daten des Ver­brauchs­aus­weises sind die Ver­brauchs­daten der Immo­bi­lie der letz­ten drei Jah­re. Das bedeu­tet, er gibt die ver­brauchte Energie­menge einer Immo­bi­lie an. Für die Errech­nung wer­den dabei die Heiz­kosten­ab­rech­nungen der letz­ten drei Jah­re heran­ge­zogen. Er umfasst damit allge­meine Informa­tionen zur Hei­zung und Warm­wasser­bereitung. Der Ver­brauch wird in kWh pro Jahr und m² Nutz­flä­che ange­ge­ben. Bei gewerb­lichen Immo­bi­li­en und Büro­gebäuden, sprich Nicht­wohn­gebäuden, kom­men auch noch der Ver­brauch für die Lüf­tungs- und Kühlungs­anlage sowie die Be­leuchtung hin­zu.

Dadurch, dass aber der ver­gan­ge­ne Ver­brauch die Grund­lage der Er­stellung dar­stellt, wird deut­lich, dass der Verbrauchs­ausweis kei­ne exak­te Aus­kunft für den zukünf­ti­gen Ver­brauch geben kann. Schließ­lich hat jede Per­son ein eige­nes Energie­nutzungs­verhalten.

Hin­weis: Bei der Erstel­lung eines Verbrauchs­ausweises soll­ten län­ge­re Leer­stände eines Gebäu­des unbe­dingt berück­sichtigt wer­den. Ansons­ten kann es zu stark ver­fälschten Anga­ben kom­men.

Der Bedarfsausweis

Die Er­stellung eines Bedarfs­ausweises ist deut­lich kompli­zierter, als die sei­nes Gegen­parts. Hier­für begut­achtet ein Energie­berater die Immo­bi­lie und er­mittelt dabei die Gebäude­form sowie die Bau- und Anlagen­technik. Auch die Planungs­unter­lagen des Hau­ses soll­ten bei der Er­stellung vor­liegen. Ein beson­de­rer Vor­teil ist dabei, dass nicht nur der Ist-Zustand des Hau­ses, son­dern auch ein poten­tieller Optimal­zustand ermit­telt wer­den kann. Durch indivi­duell auf das Gebäu­de pas­sen­de Handlungs­empfehlungen, wer­den Maß­nah­men zur Opti­mie­rung aufge­zeigt. Außer­dem erlaubt der Aus­weis eine bes­se­re Ver­gleich­bar­keit zu ande­ren Ge­bäuden, da der Ver­brauch der Bewoh­ner nicht die Grund­lage der Be­rechnung dar­stellt. Neben den Bau­unterlagen und Gebäu­de- und Heizungs­daten wer­den für die Be­rechnung standard­isierte Rahmen­daten heran­ge­zogen. Hier­unter fal­len bspw. stand­ardisierte Nutzer­ver­halten, Klima­daten und Raum­tempera­turen.

Die Wahl des richtigen Ausweises

Wäh­rend man bei Nicht­wohn­ge­bäuden zwi­schen Ver­brauchs­ausweis und Bedarfs­ausweis wäh­len kann, müs­sen bei Wohn­gebäuden eini­ge Din­ge bei der Wahl des Aus­weises beach­tet wer­den. Die ver­brauchs­orientierte Vari­an­te darf bspw. nur erstellt wer­den, wenn die Immo­bi­lie mehr als 4 Wohn­einheiten auf­weist und der Bau­antrag nach dem 1. Novem­ber 1977 erstellt wur­de. Außer­dem ist eine Voraus­setzung, dass das Haus nach der 1. Wärme­schutz­ver­ordnung von 1977 errich­tet oder moderni­siert wur­de. Der Bedarfs­ausweis muss ver­pflichtend ausge­stellt wer­den, wenn das Gebäu­de weni­ger als 5 Wohn­ein­heiten besitzt. Auch ist er bei Häu­sern, des­sen Bau­antrag vor dem 1. Novem­ber 1977 gestellt wur­de, ein Muss. Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel: Erfüllt das Gebäu­de bspw. auf­grund einer Moder­ni­sie­rung die Anfor­de­run­gen an den Wärme­schutz­, darf auch ein Verbrauchs­ausweis erstellt wer­den. Ein Bedarfs­ausweis ist natür­lich auch bei Neu­bauten und nach einer gro­ßen Sanie­rung ver­pflichtend. Schließ­lich lie­gen hier noch kei­ne aussage­kräftigen Daten über den ver­gan­ge­nen Ver­brauch vor.

Kosten eines Energieausweises

Wie bereits erwähnt, ist die Erstel­lung eines Bedarfs­aus­weises mit deut­lich mehr Auf­wand ver­bunden, als die, eines Ver­brauchs­aus­weises. Das bedeu­tet im Umkehr­schluss auch, dass die Aus­stellung eines Bedarfs­aus­weises teu­rer ist, als die eines Verbrauchs­aus­weises. All­ge­mein vari­ie­ren auch die Kos­ten je nach Anbie­ter und natür­lich je nach Grö­ße der zu bewer­ten­den Immo­bi­lie. In der Regel soll­te man bei einem Ver­brauchs­aus­weis mit Kos­ten in Höhe von 50 bis 100 Euro rech­nen. Bei Mehr­familien­häusern kann es auch deut­lich teu­rer wer­den. Prei­se um 250 Euro sind dabei kei­ne Selten­heit.

Hin­weis: Die Kos­ten für einen Energie­ausweis bei einem Mehr­familien­haus wer­den immer durch den Eigen­tümer über­nommen. Ver­mie­ter kön­nen die Kos­ten nicht auf all Ihre Mie­ter umle­gen.

Bedarfs­orien­tierte Energie­ausweise kos­ten zwi­schen 300 und 500 Euro. Es ist nicht unge­wöhnlich, dass bei grö­ße­ren Immo­bi­li­en eine Pau­schale berech­net wird und dann zusätz­liche Kos­ten pro Wohn­einheit an­fallen.

Tipp: Beim Erwerb einer neu­en Immo­bilie soll­ten Sie sich den Energie­ausweis genau anse­hen. Schließ­lich bil­det er eine gute Basis, um spä­te­re Energie­kosten kalku­lieren zu kön­nen. Es ist wich­tig, dass Sie hier­bei die Unter­scheidung zwi­schen den bei­den Vari­an­ten im Hin­ter­kopf bewah­ren. Verbrauchs­aus­weise stu­fen Immo­bi­li­en näm­lich häu­fig etwas bes­ser ein, als es Bedarfs­ausweise tun. Häu­ser die auf Basis des Ver­brauchs einge­ordnet wer­den, soll­ten des­halb nicht mit Immo­bi­li­en ver­glichen wer­den, für die Ihnen ein Bedarfs­ausweis vor­liegt.

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